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Kryptorchismus beim Hund

Kryptorchismus beim Hund
von Dr. Kamil Tomsa, DECVIM-CA
Der Fachausdruck „Kryptorchismus“beschreibt das Fehlen eines oder beider Hoden im Hodensack (lat.Skrotum). Irgendwo auf dem Weg zwischen den Nieren bis in den Hodensack wurde der Hoden-Abstieg (lat. Descensus testis) gestört. Kryptorchismus ist wichtig aus züchterischer,
aber auch aus gesundheitlicher Sicht. Nicht zuletzt gibt es viele Hundehalter, die die Hoden als ein wichtiges Zeichen
der Männlichkeit beim Hund betrachten. Foto: J. Theron Abb. 1: Das Operationsfeld bei einer Kastration eines intakten Rüden. Beide Hoden lassen sich im Hodensack gut erahnen.

Der gesamte Abstieg ist bei den meisten Rüden im Alter von 6–8 Wochen abgeschlossen (Abb. 1). Da sich der Leistenkanal im Alter von 6 Monaten nach der Geburt teilweise verschliesst, kann nach diesem Alter kein weiterer Abstieg mehr erfolgen.  Formen des Kryptorchismus Wie bereits erwähnt, kann entweder ein Hoden oder es können sogar beide Hoden nicht absteigen und im Hodensack fehlen. Man spricht von einem unilateralen (einseitigen) oder bilateralen (beidseitigen) Kryptorchismus.
In Abhängigkeit von der Lage des nicht abgestiegenen Hodens unterscheidet man den inguinalen Kryptorchismus (Leistenhoden) oder den abdominalen Kryptorchismus (Bauchhoden). Aus wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass der rechtsseitige inguinale Kryptorchismus
gefolgt vom rechtsseitigen intraabdominalen Kryptorchismus am häufigsten ist. Dies liegt daran, dass der Weg, den der rechte Hoden zurücklegen muss, länger ist als der Weg des linken Hodens. Bedeutung des Kryptorchismus Der Kryptorchismus hat sowohl züchterische als auch gesundheitliche Konsequenzen für einen Rüden. Es wurde zweifelsfrei nachgewiesen, dass Kryptorchismus eine angeborene, erbliche Erkrankung ist.

 Der Erbgang wird als autosomal rezessiv und  polygen beschrieben. Dies bedeutet, dass die dafür verantwortlichen Gene ausserhalb der Geschlechtschromosomen X/Y liegen (autosomal), diese reinerbig vorhanden sein müssen (es darf kein dominantes Gen am gleichen Genort vorhanden sein) und, dass mehrere Gene (polygen) verantwortlich sind für die Vererbung. Ebenso wurde nachgewiesen, dass mit dem
Kryptorchismus häufig andere angeborene Defekte wie Kniescheibenluxation, Hüftgelenksdysplasie und Nabelbrüche einhergehen
können. Diese Tatsachen haben grosse Bedeutung für die Zuchtgestaltung und den Einsatz einzelner betroffener Zucht-Rüden. Für den kryptorchiden Rüden kommen aber noch weitere Konsequenzen dazu. Erstens sind Hoden, welche in der Bauchhöhle zurückbleiben, einer höheren Temperatur ausgesetzt. Dies führt dazu, dass die Bildung der Spermien (Samenzellen) unterdrückt wird. Beidseitig intraabdominal kryptorchide Tiere sind fast ausnahmslos nicht fruchtbar (infertil). Einseitig intraabdominal kryptorchide Hunde sind in der Fruchtbarkeit meistens nicht eingeschränkt,
können allerdings diese Erkrankung an alle Nachkommen weitergeben. Bei inguinalen Kryptorchiden ist die äussere Temperatur der  Hodensacktemperatur ähnlich und deshalb ohne Folgen für die Fruchtbarkeit.

Die zweite mögliche Komplikation eines intraabdominalen Kryptorchismus ist die Entwicklung eines Hodentumors. Auch hier spielt die höhere Umgebungstemperatur eine entscheidende Rolle. Es können sowohl gutartige wie auch bösartige Tumore (Krebs) entstehen. Einige Tumore produzieren zudem Hormone, was wiederum schwerwiegende Folgen für das Tier haben kann. Die Entartung des zurückgebliebenen
Hodens ist nicht vorhersehbar und wird oft erst sehr spät bemerkt. Häufig werden diese Patienten erst durch den Befund einer
grossen Masse in der Bauchhöhle auffällig.
Natürlich können Hoden auch innerhalb des Hodensacks entarten . Seltener kann es zur plötzlichen Drehung des zurückgebliebenen Hodens (so genannte Torsion) mit starken Bauchschmerzen kommen. Dies ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Situation. Derartige Probleme
können auch beim normalen Hoden auftreten.
Sexualverhalten und Fruchtbarkeit bei Kryptorchiden Aus wissenschaftlichen Arbeiten und nicht zuletzt aufgrund von Beobachtungen von
erfahrenen Züchtern weiss man, dass kryptorchide Rüden einen ganz normalen Geschlechtstrieb (Libido) aufweisen. Dies liegt
daran, dass die Produktion von Androgenen (männliche Geschlechtshormone) uneingeschränkt abläuft – also temperaturunabhängig
ist. Dies lässt sich mit einer einfachen Messung des Testosterons (wichtigstes männliches Geschlechtshormon) nachweisen. Die Messung des Testosterons kann auch zum Ausschluss/Bestätigung eines Kryptorchismus bei Rüden ohne Hoden im Hodensack herangezogen werden. Kastrierte
Rüden weisen im Blut nur minimale Mengen des Hormons auf, hingegen haben kryptorchide Tiere beinahe vergleichbar Werte wie intakte Rüden. Wie bereits erwähnt, sind Hunde mit inguinalem Kryptorchismus hormonell nicht von unkastrierten gesunden Rüden zu unterscheiden.
Die Fruchtbarkeit ist bei den inguinalen Kryptorchiden keineswegs eingeschränkt. Bei den intraabdominalen Kryptorchiden (ein- oder beidseitig) ist die Produktion von Spermien reduziert (siehe oben) und damit auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Und sollten samt ihrer Eltern aus der
Zucht ausgeschlossen werden. Umso mehr, weil Kryptorchismus oft mit anderen erblichen Erkrankungen einhergehen kann.
Sollte es sich um ein „sehr wertvolles“ Tier handeln, kann nach gründlicher Überlegung eine medikamentelle Therapie ins Auge gefasst werden. Diese sollte beim jungen Hund, also so früh wie möglich, begonnen werden – kryptorchide Tiere, die älter als 16 Wochen sind, können medikamentös
nicht mehr beeinflusst werden. Der Therapieerfolg ist zu Beginn schwierig einzuschätzen, da lange nicht alle Hoden absteigen.
Sollte ein kryptorchider Rüde immer kastriert werden? Auch in dieser Frage sind die Meinungen unterschiedlich. Aus strikt medizinischer
Sicht – Risiko der Torsion, Gefahr von Hodenkrebs und die mögliche Bildung weiblicher Geschlechtshormone – sollten alle intraabdominalen Hoden vorsorglich chirurgisch entfernt werden. Bei inguinalem Kryptorchismus muss eine Kastration nicht zwingend durchgeführt werden. Von der
Verwendung des Tieres in der Zucht sollte dennoch abgeraten werden. Da die Hoden direkt unter der Haut liegen, sind die medizinischen
Risiken nur minimal. Bei gewissen Rassen müssen auch allfälllige Nebenwirkungen der Kastration in Betracht gezogen werden (z. B. Fellqualität).
Anschrift des Autors:
Dr. med. vet. Kamil Tomsa
Kleintierklinik Rigiplatz
Hünenbergerstrasse 4/6
CH-6330 Cham
www.kleintierklinikrigiplatz.ch
Auftreten des Kryptorchismus Die Häufigkeit des Kryptorchismus beim Hund ist, bedingt durch die grosse züchterische Aktivität bei dieser Tierart, deutlich höher als bei anderen Säugetieren. Je nach Quelle beträgt sie zwischen 1–15 %. Die tatsächliche Zahl ist eindeutig rasseabhängig.
Am häufigsten sind kleine oder Miniaturrassen wie Chihuahua, Miniaturpudel oder Yorkshire Terrier betroffen. Bei grossen Rassen sind häufig Boxer oder deutsche Schäferhunde betroffen. Mischlinge können ebenfalls kryptorchid sein, jedoch deutlich seltener als Rassehunde. Diagnosestellung
Die Diagnose des Kryptorchismus wird in den meisten Fällen durch eine klinische Untersuchung des Tieres festgestellt. Spätestens im Alter von 8 Wochen (je nach Quelle 10–12 Wochen) sollten bei einem männlichen Tier beide Hoden im Hodensack auffindbar sein. Das Abtasten des Hodensackes nach Hoden im frühen Alter kann durch die kleine Grösse des Tieres, durch die Grösse der Hoden oder durch das unwillentliche
Zurückziehen der Hoden in die Leistenregion erschwert werden. Manchmal können die Hoden in sitzender oder liegender Position des Rüden besser gefunden werden. Wichtig ist auch, die Leistenregion seitlich des Penis abzusuchen. Die intraabdominalen Hoden sind deutlich schwerer zu
finden; eine Ultraschalluntersuchung der Bauchhöhle und der Leistenregion kann hilfreich sein. Es ist jedoch zu bemerken, dass insbesondere
bei erwachsenen Tieren intraabdominale Hoden stark schrumpfen können. Bei Hunden mit Krebsbildung im Hoden, lässt sich häufig die Masse durch die Bauchwand hindurch spüren oder mittels einer Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung darstellen. Im Zweifelsfall kann bei einem vermeintlichen
Kryptorchiden der Testosteronspiegel im Blut gemessen werden (siehe in der Spalte links). Diagnose Kryptorchismus – was nun?
Aus rein medizinischen sowie aus zuchthygienischen Gründen muss von jeglicher Therapie abgesehen werden. Die betroffenen Rüden sind Träger der verantwortlichen Gen Die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin SVK/ASMPA ist eine Fachsektion der Gesellschaft Schweizerischer
Tierärzte GST/SVS. Ihr gehören ca. 600 praktizierende Kleintierärztinnen und -ärzte, Universitätsdozentinnen und -dozenten sowie andere speziell in
Kleintiermedizin und -chirurgie interessierte Tierärztinnen und Tierärzte an. Auf diesen Seiten präsentieren wir Ihnen jeweils einen von einer
ausgewiesenen Spezialistin oder einem Spezialisten verfassten Artikelüber ein Thema zur Gesundheit bzw. zu Krankheiten von Hunden. Im
Internet finden Sie uns unter: www.kleintiermedizin.ch Auf den ersten Blick beim jungen Hund kaum feststellbar: Kryptorchismus. Bei diesem Rauhaardackel wurde beim ersten Tierarztuntersuch – nach der Abgabe vom Züchter an den neuen Besitzer – das Fehlen eines Hodens im Hodensack festgestellt.

Leider ist Kryptorchismus ein Gemeinsames Problem bei Kelpies!
Bis zu einem gewissen genetischen Bevölkerung zu erhalten ist es für  der Kelpie Rasse schwierig, die Hunden die die Gen für kryptochisme tragen auszuschließen vor die Zücht
Bei Kelpiebrink war nur 2, 77 % Einhodig..

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